Veranstalter*innen:
“Rassissmus tötet!” – Leipzig
&
Cinémathèque Leipzig
Dokumentarfilm „Revision“
(BRD 2012, OmU, Dok, 106 min)
Am 29. Juni 1992 entdeckt ein Bauer zwei Körper in einem Getreidefeld in Mecklenburg-Vorpommern. Ermittlungen ergeben, dass es sich bei den Toten um rumänische Staatsbürger handelt. Sie werden bei dem Versuch, die europäische Außengrenze zu überschreiten, von Jägern erschossen. Diese geben an, die Menschen mit Wildschweinen verwechselt zu haben. Vier Jahre später beginnt der Prozess. Welcher der Jäger den tödlichen Schuss abgegeben hat, lässt sich nie beweisen. Das Urteil: Freispruch. dpa meldet: „Aus Rumänien ist niemand zur Urteilsverkündung angereist.“
In den Akten stehen die Namen und Adressen von Grigore Velcu und Eudache Calderar. Ihre Familien wussten nicht, dass jemals ein Prozess stattgefunden hat.
Mit REVISION wird ein juristisch abgeschlossener Kriminalfall einer filmischen Revision unterzogen, die Orte, Personen und Erinnerungen miteinander verknüpft und ein fragiles Geflecht aus Versionen und Perspektiven einer „europäischen Geschichte“
Der Film läuft auf Deutsch, Englisch und Rumänisch mit deutschen Untertiteln in der naTo. Es wird eine 35mm-Kopie projiziert.
Die Veranstaltung ist Auftakt der kritischen Auseinandersetzung mit der faktischen Abschaffung des Grundrechtes auf Asyl in Deutschland, das sich 2013 zum 20. Mal jährt.
In Mölln legen am 20. November 1992 Neonazis einen Brand im Haus der türkischstämmigen Familie Arslan. Drei Familienangehörige kommen in den Flammen ums Leben, der Rest kann sich aus dem Haus retten – darunter auch der
damals siebenjährige Ibrahim und seine Mutter Hava. Der Vater erreicht den Unglücksort als nur noch die verheerenden Folgen des Brandanschlags zu erkennen sind: Seine Mutter, seine Nichte und auch die kleine Tochter sind dem Brand zum Opfer gefallen.
Die Berliner Filmemacherin Malou Berlin hat die Familie Arslan über mehrere Jahre begleitet. Der Filme “Nach dem Brand” zeichnet ein persönliches Portrait der Überlebenden des Anschlags, ihrem Umgang mit dem Verlust ihrer Angehörigen, ihren Träumen und Wünschen.
Erstaufführung: Filmfest Hamburg, Oktober 2012 / Nominierung: Prix Europa 2012 in der Kategorie IRIS Nordische Filmtage Lübeck, Oktober/November 2012
Die Kampagne “Rassismus tötet!” zeigt den Film in verschiedenen Städten und möchte somit einen Teil zur Aufarbeitung des Anschlages beitragen. Die Filmvorführungen stehen im Rahmen der Mobilisierung zur Gedenkdemo in Mölln am 17. November .
Termine der Filmvorführungen:
Mi. 31.10.2012 |
Lübeck
| 16.45 Uhr |
54. Nordische Filmtage Lübeck
Di. 06.11.2012 |
Leipzig
| 20.00 Uhr | Bornaischen Straße 3d
Mi. 07.11.2012 |
Erfurt
| 19.00 Uhr | Redrox, Pilse 29
Do. 08.11.2012 |
Göttingen
| 20 Uhr | StilbrVch, Platz der Göttinger 7
So. 11.11.2012 |
Bremen
| 17.00 Uhr | Paradox, Bernhardstr. 12
Mo. 12.11.2012 |
Rostock
| 20.00 Uhr | Peter Weiß Haus, Doberaner Straße 21
Di. 13.11.2012 | Hamburg | 20.00 Uhr | Gängeviertel, Valentinskamp 39
Mi. 14.11.2012 |
Hannover
| 20.00 Uhr | UJZ Korn, Kornstraße 28
Mi. 14.11.2012 |
Berlin
| 20.00 Uhr | Jugendhaus Königstadt, Saarbrücker Straße 24, U-Bhf. Senefelder Platz
Mi. 14.11.2012 |
Kassel
| 20.00 Uhr |
29. Kasseler Dokumentarfilm- und Videofest
Do. 15.11.2012 |
Jena
| 30.20 Uhr | JG Stdatmitte, Johannisstraße 14
Fr. 16.11.2012 |
Mölln
| 18.00 Uhr | Augustinum, Sterleyer Straße 44
Veranstalter_innen: “Rassismus tötet!”-Leipzig
BRD / 1992 / 25 min
Produktion.: autofocus Videowerkstatt
Realisation: Helmut Dietrich, Julia Oelkers, Lars Maibaum
Manuell Alexandre Nhacutou war einer von 18.000 mosambikanischen Vertragsarbeiter_innen in der ehemaligen DDR. 1983 verließ er die VR Mosambik und begann in Lauchhammer eine Ausbildung zum Betriebsschlosser. 1986 wurde er nach Hoyerswerda versetzt, lebte und arbeitete dort bis zum September 1991. Nach dem ersten Pogrom an ausländischen ArbeiterInnen und Flüchtlingen im vereinten Deutschland verließ er die Stadt und kam nach Berlin.
In der Art eines Gedächnisprotokolls schildert Manuell Alexandre die von ihm erlebten Arbeits- und Lebensbedingungen, erzählt von den deutschen KollegInnen und NachbarInnen, von der Betriebsleitung, von dem, was nach dem Pogrom passierte. Im Video wird das Pogrom von Hoyerswerda nicht als isoliert zu betrachtendes Phänomen dargestellt, sondern in den Kontext der Alltagserfahrung eines schwarzen Menschen gestellt. Es versucht klarzustellen, dass die Ursachen der rassistischen Gewalt eben nicht bei sozialen Problemen, Arbeitslosigkeit und Wohnungsnot liegen.
“Das Hoyerswerda Syndrom”
Fr / 1996 / 52 min
Mogniss H. Abdallah, Yonas Endrias
Jona ist Mitglied einer Gruppe von 47 namibischen Lehrlingen, die vor der Wiedervereinigung nach Wittenberge in die DDR gekommen sind. Im November 1990 werden sie in ihrem Wohnheim von jungen Deutschen angegriffen. Jona wird aus dem Fenster des 4. Stocks geworfen. Er erleidet schwere Verletzungen und muss während seines 14 monatigen Krankenhausaufenthalts mehrmals operiert werden.
Nach den Pogromen in Hoyerswerda und Rostock, den Brandanschlägen in Mölln und Solingen zeigen sich die Medien empört und aufrechte Bürger organisieren Lichterketten und Mahnwachen. Gleichzeitig werden Jonas Freunde nach Namibia abgeschoben.
Der Film ruft die Progrome und rassistischen Angriffe aus der jüngeren Geschichte des wiedervereinigten Deutschlands in Erinnerung. Er begleitet Jona bei seinen Versuchen, die Ereignisse zu verarbeiten und zeigt seinen Kampf, die ihm versprochene Berufsausbildung doch noch in Deutschland zu erhalten.
August 1992, Rostock – Lichtenhagen.
Die Polizei schaut zu, als Faschist_innen die Zentrale Aufnahmestelle für Flüchtlinge (ZAST) und ein Wohnheim von vietnamesischen Vertragsarbeitern mit Molotowcocktails bombardieren. Eine Montage von Videomaterial, gedreht aus den angegriffenen Häusern heraus, Interviews mit den Angegriffenen, mit Antifaschist_innen, der Polizei, mit Bürokrat_innen, Neonazis und Anwohner_innen. Eine Dokumentation über das heimliche Einverständnis der Politik und über die verbreitete Angst.
Bei der Veranstaltung gibt es Bus-Karten für die Fahrt zur Gedenk-Demo in Rostock-Lichtenhagen zu kaufen.
Im August 1992 griffen hunderte Neonazis mehrere Tage lang ein Flüchtlingsheim in Rostock-Lichtenhagen an. Unter dem Beifall eines großen rassistischen Mobs aus EinwohnerInnen setzten sie das Haus schließlich in Brand. Die letzten BewohnerInnen überlebten das nur mit viel Glück. Die Polizei schaute – aus einer Art politisch gewollter Überforderung – weitgehend tatenlos zu. Dieser durch breite mediale Hetze gegen Flüchtlinge vorbereitete und staatlich geduldete Pogrom führte zur faktischen Streichung des Grundrechts auf Asyl aus dem Grundgesetz ein Jahr später. Denn nach dieser Vorführung des Volkszorn wollte auch die SPD – damaliger Bundesvorsitzender der Lübecker Björn Engholm – ihre Zustimmung zur verfassungsändernden 2/3-Mehrheit nicht mehr verweigern…
Heute, 20 Jahr danach, sind Flüchtlinge noch immer der Gewalt von Neonazis und der Schickane von Ausländerbehörden ausgesetzt.
Aus Anlass des 20. Jahrestages wird am 25. August in Rostock eine große, bundesweite antifaschistische und antirassistische Demonstration stattfinden.
Im Antifa-Café – geöffnet ab 14 Uhr – zeigen wir ab ca. 16 Uhr die Film-Dokumentation “The truth lies in Rostock” (Die Wahrheit liegt/lügt in Rostock), die die Geschehnisse von damals nachzeichnet. Danach wollen wir über die gemeinsame Anreise aus Lübeck zur Demo nach Rostock sprechen.
Mehr Infos: deutsche-zustaende-aufmischen.net
Veranstalter_Innen: Klapperfeld & Siempre Antifascista FFM
„Wer Gewalt sät…“ bezieht klar Partei für die Opfer der rassistischen Anschläge auf Asylunterkünfte und kritisiert offen die Änderung des Grundrechtes auf Asyl – eine Seltenheit in diesen Tagen. Die Dokumentation lässt Die Betroffenen selbst, kritische Soziolog_innen, Journalist_innen, poltisch Aktive aus Rostock zu Wort kommen und überlässt das mediale Podium nicht allein den politischen Scharfmacher_innen. „Wer Gewalt sät…“ thematisiert auch die Anschläge von Mölln und Hoyerswerda und stellt diese in den politischen Kontext der damaligen Tage.
Erste Veranstaltung im Rahmen der Kampagne „Erinnerst du dich noch an Rostock-Lichtenhagen?“ der Antifa AK Cologne anlässlich des 20. Jahrestags der Pogrome von Rostock-Lichtenhagen und zur Mobilisierung zur Bundesweiten Demo am 25. August 2012.
Gemeinsam soll sich der Film „DUVARLAR / MAUERN / WALLS“ angeschaut und über die Eindrücke von damals aus migrantischer Perspektive sowie den etwaigen Bezügen zu heute diskutiert werden. Der Zeitzeuge Dr. Massimo Perinelli (Kanak Attak, Filmhistoriker an der Universität zu Köln) wird mit einem kurzen Input auf den Film einstimmen. Vorher gibt es Essen für alle (vegan und vegetarisch) und selbstverständlich kühle Getränke zum Soli-Preis.
Bei der Veranstaltung wird auch Tickets und Infos zur Anreise zur bundesweiten Demo geben.
Veranstalter_innen: Avanti Hamburg
Avanti-Tresengespräch mit kurzen Filmbeiträgen – Neofaschistische Angriffe und Morde nahmen in den frühen 1990er Jahren deutlich zu, eine dauerhafte Organisierung gelang den Neonazis vor allem im Osten. Die Ereignisse bedeuteten auch für die antifaschistische Szene ein Umdenken. Dabei wurden teilweise sehr unterschiedliche Wege eingeschlagen, deren Ansätze sich noch heute in antirassistischer und antifaschistischer Politik zeigen. Eingeladen zum Tresengespräch sind Antifaschist_innen, die aus Ost- und Westdeutschland kommen, sowohl Zeitzeugen sind, als auch heute noch aktiv.